Werbeangebot oder doch Linksammler?
Heute hat mich Jemand angerufen um mir für eine meiner alten Webseiten ein Werbeangebot zu machen. Ich find das Angebot eine Frechheit. Aber lest selbst. Ich hab mal den Firmennamen weggelassen, wer den Namen haben möchte, spreche mich doch persönlich an.
Hallo Herr Wiedamann,
vielen Dank für das angenehme Telefonat. Wie bereits telefonisch besprochen, interessieren wir uns dafür, Textanzeigen sitewide auf reisedago.de zu platzieren. Dabei handelt es sich um 5 unauffällige Textanzeigen pro HTML-Seite mit bedenkenlosem Inhalt (kein Glücksspiel, keine Erotik, etc.), welche sich komplett in Ihre Seite integrieren lassen, so dass kein wertvoller Werbeplatz verloren geht.
(Beispiel: siehe Anhang oder unter http://www.xxxxxxx.de/sponsoring.html)
Unsere Kunden kommen aus verschiedensten Wirtschafts- und Dienstleistungsbereichen und nutzen die Synergie aus Klassischer Werbung und Webvertising.
Farbe, Format sowie die genaue Platzierung der Anzeigen liegen in Ihren Händen, so dass der Fokus Ihrer Seite nicht beeinträchtigt wird. Technischer Support seitens unserer Programmierer ist natürlich inbegriffen. Der Aufwand für die Einrichtung der Anzeigen ist gering und vor allem einmalig.
Selbstverständlich bieten wir eine entsprechende pauschale Entlohnung für Ihre Dienstleistung, welche Sie wahlweise monatlich oder für ein Jahr im Voraus erhalten können. Um eine zukünftige erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen, unterbreite ich Ihnen folgendes Angebot für reisedago.de:
Konkret biete ich Ihnen 40,00 € / mtl. à 480,00 € / jährl. (jeweils netto).
Bei Interesse bitte ich um eine kurze Bestätigung oder Rückruf, um Ihnen die nächsten Schritte zu erklären oder weitere Fragen zu beantworten.
Mit besten Grüßen
Patrick K.
Zuerst dachte ich da will jemand etwas ähnliches wie Adsense machen. Aber irgendwie dachte ich, da ist etwas nicht koscher. Also nochmal Nachgefragt.
Hallo Herr K.,
vielen Dank für Ihr Angebot. Ich habe da noch einige Fragen.
Soll die Einbindung Ihrer Anzeigen auf allen Seiten der Webseite sein?
Sind die ausgehenden Links maskiert, oder normale Hyperlinks? Zeigen diese zu Ihrem Adserver oder jeweils zum Anzeigenkunden?
Für die Beantwortung meiner Fragen, oder für einen Link zu einem entsprechenden Projekt währe ich Ihnen dankbar.
Mit freundlichem Gruß
Dagobert Wiedamann
Seine Antwort:
Hallo Herr Wiedemann,
vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Die Einbindung erfolgt über ein simples php-Skript und das Angebot versteht sich für eine siteweite Einbindung, sprich auf jeder HTML-Seite.
Die Links zeigen mit einem kurzen Link auf den Kunden und werden durch einen beschreibenden kurzen Text ergänzt.
Ein Beispiel kann ich aus Datenschutzgründen leider nicht nennen, da ich jedem meinem Kunden eine vertrauliche Behandlung zusichere.
Mit freundlichen Grüßen
Patrick K.
Aha, da haben wir’s doch. Er will eigentlich Links kaufen, und keine Werbung schalten. Warum nennt diese Firma das Kind nicht beim Namen? Und wieso müssendie öffentlichen Anzeigen eines Kunden vertraulich behandelt werden? Werbung will doch eigentlich etwas Anderes.
Ganz einfach, er hat mir für etwa 270 Links 40€ im Monat angeboten. Das macht pro link etwa 14,8 ct. Wenn das kein Schnäppchen ist. Der Marktpreis für 270 Links mit PR 3-4 dürfte unter Freunden etwa bei 1000 € / Monat liegen.
Übrigens hat Herr K., auf meine Anfrage, ob ich denn ein nofollow einsetzen dürfte geantwortet.
Hallo Herr Wiedemann,
das ist mit unserem Skript nicht vorgesehen. Und kommt bei unserer Werbeform nicht in Frage.
Mit freundlichen Grüßen
Patrick K.
Ich glaub da bin ich ihm schon auf die Nerven gegangen, er weiß schon nicht mehr wie man meinen Namen schreibt.
Und nachdem ich ihm geschrieben habe, dass ich das nicht für ein seriöses Angebot halte, hat er sich nicht mehr gemeldet.
Ich kann nur jedem raten, lasst die Finger davon. Da gibts bessere Angebote für Linkverkauf. Und wenn ihr unbedingt Links für unter einem Euro verkaufen wollt, dann findet ihr meine e-mail im Impressum.
Nachtrag:
Herr K. hat mich gestern angerufen und seinem Unmut über meine Veröffentlichung seiner E-Mails kundgetan.
Gestört hatte er sich vordergründig an dem Ausdruck “Bursche”, we ich Ihn Bezeichnet hatte. Da ich keine Diskussion darüber starten will, ob ich das im Sinne eines Bayern oder eines Adeligen gebraucht habe (siehe Wikipedia), hab ich den Burschen mal entfernt. Ich stecke meine Energie auch lieber in meine Webprojekte als Zeit vor Gericht zu verbringen. Darum hab ich auch den Namen geändert.
Ich denke aber der Hauptgrund für seine Beschwerde wird gewesen sein, dass er nicht möchte, das sein “Werbeangebot” als Linkkauf enttarnt wird. Zum Glück werden wenigstens Diejenigen, die sich ein klein Wenig mit Links und deren Auswirkungen auf Suchmaschinen auseinander gesetzt haben diese Werbeform als Linkkauf enttarnen wird.
Ubrigens: Linkkauf wird seit einiger Zeit von Google negativ bewertet. Und ist bei dem Angebot des Herrn K. recht einfach aufzudecken. Der Code, der in die Seite integriert werden muss ist ja von jedem Bot lesbar. So kann man einfach und automatisiert jeden entdecken der über seine Firma Links eingekauft und verkauft hat. Mir wäre das Risiko zu groß Geld für etwas auszugeben, das im Zweifelsfall zu einer Abwertung meiner Seiten führt. Bzw. für ein paar Euro “Werbeeinnahmen” meine Seite zu ruinieren.
Written by dw on October 2nd, 2007 with no comments.
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